Der Bund

Der Gründungsgedanke

Der Zugvogel wurde am 28. August 1953 gegründet. Die Idee des Pazifismus war dem jungen Bund von seinem Bundesgründer Alo Hamm, genannt Trenk, in die Wiege gelegt worden. Trenk hatte als Soldat am Zweiten Weltkrieg teilnehmen müssen. Gemeinsam mit den anderen Gründern des Zugvogels war man sich einig, dass kein Platz mehr für die soldatische Grundeinstellung in einem Jugendbund sein konnte, die vor dem Krieg in so vielen Bünden der deutschen Jugendbewegung üblich gewesen war. So ist es bis heute dabei geblieben, dass der Zugvogel eine „bunte Truppe“ ist, in der viele unterschiedliche Weltanschauungen ihren Platz haben. Jedoch bietet unser Bund keinen Raum für „Standesdünkel“, völkische Ideologien, Rassismus oder andere menschenfeindliche Einstellungen.

Dabei ist es uns auch wichtig, im Sinne unseres Gründungsgedankens zu aktuellen Themen Stellung zu beziehen. So hat der Zugvogel die „Mannheimer Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit“ mitunterzeichnet, nachdem es im Herbst 1992 zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen gekommen ist. Im Sommer 2009 hat der Zugvogel seiner Haltung gegenüber rechtsextremen (Jugend-)Gruppen im „Lohberger Beschluss“ Ausdruck verliehen:

„Die Idee der absoluten Gewaltlosigkeit bestimmt noch heute unser Bundesleben und wird es auch weiterhin tun. Der alte, neue Faschismus steht als latente Gefahr vor der Tür unserer Demokratie. Und wiederum mischen jetzt rechte Vögel im bündischen Raum mit. Mit großer Besorgnis betrachtet der Zugvogel Bestrebungen nationalkonservativer Gruppierungen, politischen Einfluß auf die bündische Jugend zu gewinnen. […] Heute hören wir wieder von jungen Menschen, die „völkisch und national“ eingestellt sind. Spätestens in diesem Augenblick muß sich der Zugvogel quer stellen!“

Das Bundesleben

Der Zugvogel ist für uns mehr als ein Verein, in dem wir für ein paar Stunden im Monat einem Hobby nachgehen.
Der Zugvogel zeichnet sich durch Freundschaft und Lebensfreude aus. Bei uns singen und feiern Ärzte, Zimmerer, Mathelehrer, Lehrlinge, Studenten und Schüler gemeinsam – oft ein Leben lang. Uns verbindet die Begeisterung für die große Fahrt in ferne Länder, die Liebe zur Musik und die Gewissheit, dass wir eine außergewöhnliche Kultur leben und weitergeben.

Die Gruppen im Zugvogel

Die örtlichen Gruppen werden bei uns Orden genannt. Jeder Orden besteht aus kleineren Gruppen, den Rotten (wie bei den Wildschweinen, die den Wald durchstreifen). In einer Rotte treffen sich deren Mitglieder zur wöchentlichen Gruppenstunde, gehen gemeinsam auf Fahrt, machen Musik oder was ihnen sonst so einfällt.
Alle Fahrten und Aktionen planen die Rotten und Orden eigenständig – und jeder hat dabei das gleiche Mitspracherecht. Wir machen nur das, wozu wir auch selber Lust haben!

Unsere Ziele

Wir verstehen uns als Gemeinschaft, die von einer pazifistischen Idee ausgehend jeden Einzelnen in seinen Stärken fördern möchte und Individualität ernst nimmt. Unser Ziel ist es, junge Menschen auf Ihrem Weg zu Selbstständigkeit, Verantwortung und Unabhängigkeit zu unterstützen. Wir wollen ein Bewusstsein für unsere Umwelt, für unsere Gesellschaft und für Gegenwarts-fragen wecken.

Dabei setzen wir aber nicht auf trockene Theorie, sondern auf das praktische Erleben. Und das passiert einfach nebenher: Man muss niemandem, der wochenlang in der Natur unterwegs war, im Wald übernachtet und seinen Tee mit abgekochtem Flusswasser zubereitet hat, erklären, warum Umweltschutz wichtig ist. Team-Fähigkeit ergibt sich ganz von selbst, wenn man unterwegs ist und die verschiedenen Wünsche unter einen Hut bringen muss: Sollten wir dem Weg nach links folgen oder doch eher nach rechts weitergehen? Oder bleiben wir besser für ein paar Stunden an diesem wundervollen See und gehen schwimmen? Verantwortungsbewusstsein erlangt, wer für sich und andere Verantwortung übernimmt – egal, ob es sich nur um den Einkauf des Abendessens handelt oder darum, die Aufgaben eines Gruppenleiters wahrzunehmen.

Das gemeinsame Musizieren hat bei uns einen hohen Stellenwert und jeder, der mal einen Singeabend am Lagerfeuer erlebt hat oder die Einladung zum Mittagessen, nachdem man der Bauernfamilie ein Ständchen gebracht hat, weiß, warum das so ist. Denn bei allem Philosophieren sollte nicht vergessen werden: Unsere Motivation entspringt schlichtweg der Freude am gemeinschaftlichen Erleben und dem Spaß am Abenteuer!